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FOLGE NR. 01 · DEUTSCH


Ein wöchentlicher Newsletter, der Europa aus lokalen Perspektiven in den Blick nimmt. Jeden Freitag wird ein Thema von fünf unabhängigen Redaktionen beleuchtet.

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IN DIESER AUSGABE

§01 · Im Fokus — Abriss von Gebäuden
§02 · Der lokale Blick — Berlin, Riga, Warschau, Wien, und Zagreb
§03 · Der Podcast — Jetzt die neueste Folge anhören und mitdiskutieren
§04 · Aus den Redaktionen — Aktuelle Beiträge aus dem Netzwerk von lensEU


§01 · IM FOKUS

Abriss statt renovieren: Was wir verlieren, wenn wir neu bauen

Bauen wird oft als Zeichen des Fortschritts gesehen: neue Wohnungen, moderne Gebäude, eine bessere Infrastruktur. Doch bevor etwas Neues gebaut werden kann, muss oft zunächst das Alte weichen. In ganz Europa werden jedes Jahr große Mengen an Gebäuden abgerissen. Und überraschend oft handelt es sich dabei nicht um Ruinen, sondern um Gebäude, die noch genutzt werden könnten.

Wie hoch die Zahl von Abrissen tatsächlich ist, lässt sich nur schwer sagen. Eine europaweite Statistik über Gebäudeabrisse gibt es nicht. Auch in Deutschland sind die verfügbaren Daten unvollständig und zwischen den einzelnen Bundesländern nur schwer vergleichbar. Der Bauingenieur Jens Otto von der Technischen Universität Dresden hat die verfügbaren Zahlen analysiert. Sein Fazit: Die amtlichen Statistiken bilden das tatsächliche Ausmaß der Abrisse nicht angemessen ab.

CORRECTIV hat den Abrissatlas und später den Demolition Atlas Europa mitbegründet, um diese Lücke zu schließen. Über die Plattform können Menschen Gebäude melden, die abgerissen wurden oder von Abriss bedroht sind. Was als Projekt in der Schweiz begann, ist inzwischen zum Abrissatlas Europa gewachsen. Die gesammelten Daten machen sichtbar, was sonst oft verborgen bleibt: Wo werden Gebäude abgerissen – und was passiert danach?

Denn bei einem Abriss geht es um weit mehr, als dass ein Gebäude einfach verschwindet. Es bedeutet auch den Verlust von Materialien, die bereits hergestellt und in das Gebäude eingebaut wurden: Beton, Stahl, Glas, Holz und Mauerwerk.

Viele dieser Materialien könnten wiederverwendet oder recycelt werden. Stattdessen entstehen durch Abrisse riesige Mengen an Bau- und Abbruchabfällen. In der Europäischen Union macht dieser Bereich mehr als ein Drittel des gesamten Abfallaufkommens aus. Nach Angaben der Europäischen Kommission fielen allein durch Abrisse im Jahr 2022 rund 124 Millionen Tonnen Abfall an.

Vieles davon ist tatsächlich kein wertloser Abfall. Baumaterialien könnten wiederverwendet oder recycelt werden. Dafür müssen sie jedoch getrennt, aufbereitet und erneut eingesetzt werden. In der Praxis landen viele Materialien auf Deponien oder werden nicht in ihrem vollen Potenzial wiederverwendet. Besonders problematisch ist dies, wenn Stoffe wie Asbest oder Bauschaum unsachgemäß entsorgt werden. Sie können Boden und Wasser verunreinigen und dadurch Risiken für die Umwelt und die menschliche Gesundheit darstellen.

Beim Abriss eines Gebäudes und anschließend der Bau eines neuen erfordern große Mengen an Beton, Stahl und anderen Baumaterialien. Ihre Herstellung ist energieintensiv und verursacht CO₂-Emissionen. Schätzungen der Nichtregierungsorganisation Deutsche Umwelthilfe zufolge verursachen Abriss und Neubau allein in Deutschland jährlich rund 3,3 Millionen Tonnen CO₂. Ein Teil dieser Emissionen ließe sich vermeiden, indem bestehende Gebäude saniert und weiter genutzt werden.

Sanieren bedeutet nicht zwangsläufig, ein Gebäude vollständig neu zu erfinden. Neue Fenster, eine bessere Dämmung oder eine moderne Heizungsanlage können ein altes Gebäude deutlich energieeffizienter machen. Gleichzeitig kann ein großer Teil der bestehenden Bausubstanz erhalten bleiben.

Das ist insbesondere im Zusammenhang mit Europas Klimazielen relevant. Der Europäische Green Deal hat zum Ziel, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen. Gebäude spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie sind für einen erheblichen Anteil des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen in der EU verantwortlich.

Gleichzeitig gelten nach Angaben der Europäischen Kommission derzeit rund drei Viertel des europäischen Gebäudebestands als nicht energieeffizient. Die EU legt deshalb zunehmend Wert auf die Sanierung bestehender Gebäude. Die sogenannte Renovation Wave, also die Renovierungswelle, soll die Sanierungsraten erhöhen und Gebäude energie- und ressourceneffizienter machen.

Das Ziel ist klar: Europa soll klimafreundlicher werden, und seine Gebäude müssen energieeffizienter werden. Seit Mai 2026 gelten deshalb neue EU-Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden. Die Mitgliedstaaten sollen ihren Gebäudebestand schrittweise modernisieren und bis 2050 einen Gebäudebestand ohne Emissionen erreichen.

Doch dadurch entsteht ein Spannungsfeld. Klimaschutz dreht sich nicht nur darum, wie viel Energie ein Gebäude verbraucht, solange es genutzt wird. Auch sein Abriss und die Herstellung der für einen Neubau benötigten Materialien verursachen Emissionen und verbrauchen Ressourcen.

Warum sind Abrisse also weiterhin so verbreitet?

Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Für Eigentümer und Investoren kann ein Neubau wirtschaftlich attraktiv sein. Auf einem Grundstück lässt sich möglicherweise mehr Geschossfläche schaffen. Moderne Standards können von Anfang an berücksichtigt werden. Und in manchen Fällen ist ein Neubau tatsächlich sinnvoller als eine Sanierung.

Doch die Rechnung endet nicht bei dem Preis, den ein Investor bezahlt. Die Bauforscherin Lamia Messari-Becker plädiert deshalb für eine stärkere Kultur der Anpassung und Wiederverwendung. Entscheidend sei nicht einfach, wie alt ein Gebäude ist, sondern welchen Standard es erfüllen müsse und wofür es genutzt werden solle. Ein Neubau könne wirtschaftlich attraktiver erscheinen, weil sich bestimmte Standards leichter erreichen und zusätzliche Wohnflächen schaffen ließen. Doch solche Berechnungen berücksichtigten ökologische und soziale Kosten nicht immer ausreichend.

Auch die Sanierung kann die lokale Wirtschaft stärken. Während ein großer Teil der Ausgaben für Neubauten auf Materialien entfällt, erfordern Sanierungen und Umbauten mehr qualifizierte Arbeitskräfte. Davon können lokale Unternehmen profitieren.

Auch für Mieter kann der Erhalt von Gebäuden wichtig sein. Europa steht vor einem Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Zwischen 2015 und 2025 stiegen die Mieten in der Europäischen Union, Norwegen, Island und der Schweiz im Durchschnitt um 21,1 Prozent, wie aus eine Analyse von CORRECTIV.Europe Anfang dieses Jahres hervorgeht. Wenn bezahlbare bestehende Wohnungen durch teurere Neubauten ersetzt werden, kann dies den Druck auf den Wohnungsmarkt zusätzlich erhöhen.

Die Frage nach Abriss und Neubau ist daher auch eine Frage politischer Entscheidungen und der Regulierung. Die EU will die energetische Sanierung ihres Gebäudebestands beschleunigen. Gleichzeitig fehlen weiterhin verlässliche Daten darüber, wie viele Gebäude tatsächlich abgerissen werden.

Damit stellt sich eine grundlegende Frage: Warum bauen wir so oft neu, wenn bereits so viel Gebäudebestand vorhanden ist?

Wenn Abriss und Neubau für einzelne Akteure wirtschaftlich attraktiv sind, während die Kosten für Abfälle, Ressourcenverbrauch und CO₂-Emissionen von der Gesellschaft als Ganzes getragen werden, müssen wir uns fragen, ob die Anreize richtig gesetzt sind.

Eine nachhaltige Baupolitik sollte daher stärker darauf achten, was bereits vorhanden ist. Nicht jedes alte Gebäude kann oder sollte erhalten werden. Doch bevor die Abrissbirne kommt, sollte eine Frage gestellt werden: Was können wir wiederverwenden?

Denn jeder Abriss nimmt mehr mit als nur Beton. Er nimmt Ressourcen, Energie und Materialien mit – und oft auch ein Stück der Geschichte einer Stadt.

Die Transformation des Gebäudebestands könnte daher weniger mit der Frage beginnen, was wir als Nächstes bauen wollen, und mehr mit der Frage, was wir erhalten können.

— Lilith Grull, Internationale Reporterin, CORRECTIV


§02 · DER LOKALE BLICK

01

Berlin · Deutschland · CORRECTIV

Verdrängung durch Abriss

In ganz Europa werden bezahlbare Wohnungen abgerissen, um Platz für teurere Neubauprojekte zu schaffen. Selbst Wohnungsunternehmen in öffentlicher Hand zwingen langjährige Mieter aus ihren Wohnungen. Doch in einer historischen Arbeitersiedlung in Essen setzen sich die Bewohnerinnen und Bewohner zur Wehr.

Die Litterode-Siedlung in der deutschen Stadt Essen besteht aus 19 kleinen Häusern, die in den 1930er-Jahren für Bergleute und ihre Familien gebaut wurden. Viele Bewohnerinnen leben dort seit Jahrzehnten, manche Familien bereits seit Generationen.

Das städtische Wohnungsunternehmen Allbau entschied, die Siedlung abzureißen, mit der Begründung, dass sich eine Sanierung der alternden Gebäude wirtschaftlich nicht lohnen würde. Geplant ist, sie durch 73 neue Wohnungen und Häuser zu ersetzen, darunter auch zum Verkauf bestimmte Häuser, zu Kosten von rund 26 Millionen Euro. Für Bewohnerinnen wie Hevres Becker ist Litterode jedoch weit mehr als eine Ansammlung alter Gebäude. Es ist ihr Zuhause, ihre Gemeinschaft und der Ort, an dem ihre Familie ihr Leben aufgebaut hat.

Eine Studie des Architekturprofessors Tim Rieniets und seiner Studierenden kam zu dem Ergebnis, dass die Häuser durchaus saniert und modernisiert werden könnten, während auf nahe gelegenen unbebauten Flächen zusätzlicher Wohnraum entstehen könnte.

Trotzdem wurde der Abriss weiter vorangetrieben. Die Bewohner befürchten zudem, dass die neuen Wohnungen für sie nicht bezahlbar sein werden. Becker sagt, die ihrer Familie angebotene Ersatzwohnung wäre zu klein, während die Miete mindestens doppelt so hoch wäre wie das, was sie derzeit zahlt.

Der Fall zeigt, dass es beim Abriss nicht einfach nur darum geht, alte Gebäude durch neue zu ersetzen. Er kann auch darüber entscheiden, wer es sich leisten kann, in seinem Viertel zu bleiben – und wer gezwungen ist, wegzuziehen.

Marius Münstermann, Reporter, CORRECTIV.Europe


02

Riga · Lettland · TVNET

Abriss oder Sanierung: Das Dilemma der alten Gebäude Lettlands

Ein altes Gebäude abzureißen und an seiner Stelle ein neues zu errichten, kann manchmal wie die einfachste Lösung erscheinen. Aus ökologischer Sicht hat dieser Ansatz jedoch seinen Preis: Der Bausektor verursacht enorme Mengen an Abfall und benötigt neue Baumaterialien.

Bau- und Abbruchabfälle machen mehr als ein Drittel des gesamten Abfallaufkommens in der EU aus. Dazu gehören Beton, Ziegel, Holz, Metalle, Glas und Kunststoff. Die Europäische Kommission betont, dass viele dieser Materialien wiederverwendet werden können, wobei die Recyclingquoten zwischen den einzelnen Ländern stark variieren.

Für Lettland ist dieses Thema angesichts des Zustands seines Gebäudebestands und des zunehmenden Interesses an Sanierungen besonders relevant. Im Jahr 2026 gingen bei ALTUMs Programm zur Verbesserung der Energieeffizienz von Mehrfamilienhäusern so viele Anträge ein, dass die verfügbaren Fördermittel in Höhe von 173 Millionen Euro bereits innerhalb von sechs Wochen vollständig gebunden waren. Infolgedessen musste die Annahme einiger neuer Anträge bereits im September vorübergehend ausgesetzt werden.

Gleichzeitig nimmt die Bautätigkeit selbst zu. Im Jahr 2025 stieg das Volumen der Abriss- und Baugrundvorbereitungsarbeiten in Lettland im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent, während der Hochbau im zweiten Quartal 2026 um 12,6 Prozent zulegte.

Die Europäische Kommission setzt sich zunehmend dafür ein, Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg zu betrachten – also nicht nur den Energieverbrauch während ihrer Nutzung zu berücksichtigen, sondern auch die Emissionen, die bei der Herstellung der Materialien, beim Bau und beim späteren Abriss entstehen. Im Jahr  2026 veröffentlichte Empfehlungen heben ausdrücklich die Vorteile der Sanierung und Anpassung bestehender Gebäude hervor, sofern dies technisch möglich ist: Dadurch lassen sich der Bedarf an neuen Materialien, die Abfallmenge und die damit verbundenen Emissionen reduzieren.

Deshalb geht es bei der Frage, ob ein Gebäude abgerissen oder erhalten werden soll, immer weniger allein um den Preis pro Quadratmeter. Zunehmend bedeutet es auch, zu berechnen, was zusammen mit dem alten Haus in einem Container landen wird.

Andrejs Timofejevs, Redakteur, TVNET GRUPA 


03

Warschau · Polen · OKO.press

Warum Polens Plattenbauten nicht verschwinden werden

Immer wenn in Polen die Nachricht die Runde macht, dass ein Plattenbau aus der kommunistischen Ära zum Abriss vorgesehen ist oder kurz vor dem Abriss steht, flammt die alte Debatte aufs Neue auf: Wie lange wird es dauern, bis zehntausende Fertigbauten das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht haben?

Wie sich herausstellt: so bald nicht. Plattenbauten sind nach wie vor ein zentraler Bestandteil des polnischen Wohnungsbestands, obwohl die ältesten von ihnen seit fast sieben Jahrzehnten genutzt werden. Untersuchungen haben ergeben, dass sie im Allgemeinen noch statisch intakt sind. Fälle, in denen Behörden ihren Abriss beschlossen haben, sind nach wie vor äußerst selten.

Das ist kein kleines Thema. In Polen gibt es schätzungsweise 60.000 Plattenbau-Wohnblöcke, die hauptsächlich zwischen 1960 und 1990 errichtet wurden. Sie bieten schätzungsweise 12 Millionen Menschen Wohnraum – rund einem Drittel der polnischen Bevölkerung.

Wohnsiedlungen aus Plattenbauten bilden in polnischen Städten und Gemeinden häufig ganze Stadtviertel. Bemerkenswert ist, dass viele dieser Siedlungen trotz Mängeln wie kleinen Wohnungen oder fensterlosen Küchen weiterhin gefragt sind – unter anderem wegen ihrer Lage und ihrer städtebaulichen Planung. Bei ihrer Gestaltung wurde nicht nur den Gebäuden selbst große Bedeutung beigemessen, sondern auch den Freiflächen dazwischen, darunter Spielplätze, Grünanlagen und andere gemeinschaftlich genutzte Bereiche.

Ein großflächiger Abriss scheint daher außer Frage zu stehen. Denn so veraltet Plattenbauten auch erscheinen mögen: Sie sind nicht einfach nur Orte, an denen Menschen wohnen und schlafen. Sie sind Teil des Geflechts polnischer Städte – Fäden, die sich kaum herausziehen ließen, ohne einen großen Teil dessen, was sie umgibt, mit aufzutrennen.

Wojciech Kość, Klimajournalist, OKO.press 


04

Wien · Österreich · Die Presse

Was tun, wenn Wiener Altbauten die Abrissbirne droht?

Anna Rubner und Patrick Scherer stehen vor einem vierstöckigen Altbau, dessen Farbe sich an vielen Stellen wie Schuppen von der Fassade löst. Das Gründerzeithaus am Währinger Gürtel in Wien soll schon Anfang nächsten Jahres nicht mehr stehen, sondern an dieser Stelle eine U-Bahnstation.

Mancherorts sorgt das für Ärger: Eine Petition dagegen, die letzten verbliebenen Mieter sowie ein paar Anrainer protestierten gegen den Abriss. Dennoch wird es wohl dabeibleiben, immerhin werde damit auch die örtliche Infrastruktur verbessert, argumentiert die Stadt.

Rubner und Scherer wollen sich von diesem Argument nicht so ganz überzeugen lassen. Zu sehr hängen die beiden an der Ästhetik des alten Wiens. Daher verbringen sie nun einen Gutteil ihrer Freizeit damit, rund um Leerstände und abrissfähige Altbauten herumzustreifen und sie für die Nachwelt filmisch zu dokumentieren.

Das Thema Wohnraum emotionalisiert, das merken sie auch beim Feedback. Gleichzeitig treffen hier sich widersprechende Interessen aufeinander, der Bedarf nach leistbarem Wohnraum, der Wunsch nach Erhalt einer Ästhetik, die für viele Teil der Wiener DNA ist, der Anspruch der Stadt, ihre Infrastruktur zu modernisieren, und das Interesse von Eigentümern, gewinnbringend zu bauen. „Ich finde einfach, man sollte respektvoll mit der bestehenden Substanz umgehen“, sagt Rubner.

2023 wurde der Abrissschutz für Altbauten durch eine gesetzliche Reform ausgeweitet. Die Kriterien für die Abbruchreife wurden strenger geregelt, genauso wie die Erhaltungspflicht. Ein Gebäude absichtlich verfallen zu lassen, hat sich dadurch erschwert. Gebäude, die nach 1945 errichtet wurden, sind von dieser Regelung allerdings ausgenommen, außer sie fallen unter Denkmalschutz oder befinden sich in einer Schutzzone.

Anna Rubner und Patrick Scherer wollen jedenfalls verhindern, dass Wiener Altbauten sang- und klanglos verschwinden.

Sissy Rabel, Redakteurein, Die Presse


05

Zagreb · Kroatien · Telegram.hr

Kroatien: Hohe Preise und Arbeitskräftemange

In den vergangenen fünf Jahren wurde der kroatische Bausektor von zwei großen Entwicklungen geprägt. Die erste war der Wiederaufbau nach zwei schweren Erdbeben im März und Dezember 2020, die in Zagreb, darunter auch im geschützten historischen Stadtzentrum, erhebliche Schäden verursachten.

Die zweite war eine massive Investitionswelle in Bauprojekte im ganzen Land – von Schulen bis hin zu Thermalbädern – die durch großzügige Mittel aus der Aufbau- und Resilienzfazilität (RRF) der EU finanziert wurde.

Die Kombination aus verfügbaren Fördermitteln und hoher Nachfrage hatte vorhersehbare Folgen: Die Baupreise stiegen stark an, während sich gleichzeitig ein chronischer Arbeitskräftemangel entwickelte, den die heimische Erwerbsbevölkerung nicht auffangen konnte.

Als der Wiederaufbau nach den Erdbeben an Fahrt aufnahm, schossen die Preise in die Höhe. In den Jahren 2022, 2023 und 2024 mussten wichtige Institutionen – darunter die Regierung und die Universität Zagreb – Ausschreibungen für Bauprojekte annullieren, weil die eingegangenen Angebote ihre Budgets deutlich überschritten.

In einigen Fällen gab es jedoch kaum Alternativen. Das markante Gebäude der Universität Zagreb, das unter Denkmalschutz steht, wurde schließlich für 27,8 Millionen Euro saniert – mehr als doppelt so viel wie das ursprüngliche Budget von 13 Millionen Euro.

Trotz der steigenden Kosten blieben Fördermittel verfügbar, zunächst aus dem EU-Solidaritätsfonds und später aus der RRF. Letztere trug dazu bei, einen breiteren Bauboom auszulösen, darunter umfassende Gebäudesanierungen zur Verbesserung der Energieeffizienz und zur Verringerung der Umweltbelastungen.

Doch Geld war nicht die knappe Ressource: Es fehlten Arbeitskräfte. Die Zahl der Beschäftigten im Baugewerbe stieg von rund 102.000 im Juli 2021 auf knapp 127.000 im Juli 2026. Einschließlich der Beschäftigten in den Bauberufen wird die Gesamtzahl der Arbeitskräfte auf mehr als 150.000 geschätzt.

Kroatien war daher zunehmend auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen, insbesondere aus Nicht-EU-Ländern. Nach Angaben des Innenministeriums waren von den rund 206.000 im Jahr 2024 ausgestellten Arbeitserlaubnissen etwa 75.000 für den Bausektor bestimmt. 2025 sank die Zahl auf etwa 52.000 von insgesamt 170.000 in allen Branchen ausgestellten Genehmigungen. Bis August 2026 waren knapp 30.000 Arbeitserlaubnisse für Beschäftigte im Baugewerbe ausgestellt worden.

Die Löhne unterscheiden sich je nach Qualifikation und Komplexität der Tätigkeit. Trotz jüngster Lohnerhöhungen liegen die durchschnittlichen Nettolöhne im Baugewerbe weiterhin unter dem nationalen Durchschnitt. Arbeitnehmervertreter berichten zudem von Verstößen gegen den Tarifvertrag und von Fällen, in denen Beschäftigte offiziell mit einem niedrigeren Lohn gemeldet werden, während sie zusätzliche Zahlungen unter der Hand erhalten. Dies kann möglicherweise ihre späteren Rentenansprüche verringern.

Irena Frlan Gašparović, Journalist, Telegram.hr


§03 · DER PODCAST

Abriss oder Sanierung? Die Zukunft der Gebäude in Europa

Danai Maragoudaki, Journalistin bei SOLOMON, beschreibt Gebäude als „Gefäße der Erinnerung. Der Charakter einer Stadt wird nicht nur von ihren Bewohnern geprägt, sondern auch von den Gebäuden, die ihre Geschichte erzählen.“

Und genau hier beginnt der eigentliche Konflikt: Was sollte eine Stadt bewahren – und was darf sich verändern, ohne dabei ihre lokale Identität zu verlieren?


In dieser Folge geht es darum, was passiert, wenn bestehende Gebäude in Europa abgerissen werden – und was dabei verloren geht. In ganz Europa werden Gebäude häufig nicht deshalb abgerissen, weil sie unsicher oder nicht mehr sanierungsfähig sind, sondern weil neue Wohnungen oder andere Bauprojekte als attraktiver oder wirtschaftlich rentabler angesehen werden.

Abrisse bringen zudem ökologische und soziale Kosten mit sich: Wertvolle Materialien gehen verloren, große Mengen an Abfall entstehen und Neubauten verursachen zusätzliche CO₂-Emissionen. Dennoch fehlen nach wie vor verlässliche Daten darüber, wie viele Gebäude in Europa tatsächlich abgerissen werden.

In Deutschland (CORRECTIV) schauen wir auf die Debatte über Abriss und Sanierung und fragen, ob bestehende Gebäude nicht häufig saniert werden könnten, anstatt sie zu ersetzen. Dabei geht es nicht einfach darum, ob ein Gebäude alt ist, sondern darum, ob es an heutige Bedürfnisse angepasst werden kann und gleichzeitig Ressourcen, Wohnraum und bestehende Gemeinschaften erhalten bleiben. Dafür werfen wir einen genaueren Blick auf einen lokalen Fall in Essen, wo eine alte Siedlung mit 19 kleinen, von lokaler Geschichte geprägten Häusern abgerissen wurde, um Platz für hochpreisigen Wohnraum zu schaffen.

In Griechenland recherchiert die Journalistin Danai Maragoudaki von SOLOMON den raschen Wandel von Stadtvierteln in Athen und anderen Teilen des Landes. Ältere Gebäude werden zunehmend abgerissen, um Platz für neue Bauprojekte zu schaffen. Das wirft Fragen nach dem Verlust architektonischen Erbes, bezahlbaren Wohnraums und des Charakters gewachsener Stadtviertel auf. Warum? Vor allem wegen des Tourismus. Und wegen der Gewinne der Investoren.

In Polen beschäftigt sich unser Kollege Wojciech Kość von OKO.press mit der Zukunft der dortigen Plattenbauten, die als Wielka Płyta bekannt sind. Rund 60.000 dieser Gebäude bieten etwa 12 Millionen Menschen Wohnraum. Einige sind vom Abriss bedroht, während andere saniert werden.

In der Stadt Lubin beispielsweise ist der Abriss von vier Plattenbauten geplant, um den Blick auf eine historische Kirche und die Stadtmauer freizulegen. Die Bewohner argumentieren, dass ihre Wohnungen noch in gutem Zustand seien, und befürchten, dass sie sich alternativen Wohnraum nur schwer leisten könnten. Gleichzeitig hat die Sanierung die Energieeffizienz und Widerstandsfähigkeit vieler Siedlungen bereits verbessert.

Wie also sollten wir mit Europas bestehendem Gebäudebestand umgehen? Wann ist eine Sanierung sinnvoll – und wann ist ein Abriss gerechtfertigt? Wer trägt die Kosten, wer profitiert, und was verlieren wir, wenn ein Gebäude verschwindet?

Kennen Sie ein Gebäude, das abgerissen wurde oder abgerissen werden soll? Hier können Sie es zusammen mit seiner Geschichte in die ständig wachsende Datenbank zu Abriss in Europa aufnehmen.


§04 · AUS DEN REDAKTIONEN

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CORRECTIV [DE]

Rechtsextremist Sellner gründet „Remigration-Institut“ – Grüne und Linke befürworten Verbot

Grüne und Linke sprechen sich für ein Verbot für das „Remigration-Institut“ des Rechtsextremisten Martin Sellner aus. Dieser versucht sich als Ideengeber für eine mögliche AfD-Landesregierung zu positionieren. Wie schon 2023 in Potsdam, fordert er auch jetzt in einem Konzeptpapier „Remigration“ für „nicht-assimilierte Staatsbürger“.

Nach AfD-Wahlsieg: Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt wappnen sich für den „Ernstfall“

Wie können Lehrkräfte sich wehren, wenn die AfD ihre Bildungspläne in einer Regierung tatsächlich umsetzt? CORRECTIV hat mit denen gesprochen, die sich der Herausforderung stellen. In einem Land, in dem es normal ist rechts zu sein und das Schweigen in viele Lehrerzimmer eingezogen ist.

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Die Presse [DE]

Zwei Monate nach Massenansturm auf Ceuta diskutiert die EU über ein Aussetzen des Asylrechts [premium]

Die EU-Innenminister erörterten in Luxemburg die Möglichkeit, im Falle eines Massenzustroms auf Einzelfallprüfungen zu verzichten. In der spanischen Grenzstadt Ceuta kehrt die Normalität nur langsam zurück.

41.000 Tickets: 18-Jährige reisen gratis mit dem Zug durch Europa

Die EU-Kommission startet die nächste Runde ihres DiscoverEU-Programms mit bis zu 41.000 Gratis-Tickets und Vergünstigungen für Hotels, Essen und Sport in 36 Ländern, darunter Österreich.

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OKO.press [PL]

Jak Rosja rozgrywa Polskę i Europę [PROGRAM POLITYCZNY]

Strategią Putina jest dokonywanie takich ataków, których kraje NATO nie uznają za przekraczające próg wojny. Jak wiele jest w stanie tolerować sojusz? I jak NATO może odpowiedzieć na rosyjskie sabotaże? A kto kategorycznie nie chce, żeby odpowiadało jakkolwiek?

O czym marzą Europejczycy? Luka wyobraźni i nostalgia za przyszłością

Paweł Zerka z European Council on Foreign Relations opowiada o badaniu niemal 6 tys. Europejczyków. Zapytano ich czego oczekują od Europy, dlaczego tracą wiarę w jej przyszłość i skąd biorą się luki wyobraźni i przywództwa.


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Telegram.hr [HR]

Hrvatska sustiže EU, ali unutarnji jaz postaje brutalan. Zagreb juri naprijed, siromašna Panonija beznadno zaostaje

Panonska Hrvatska gubi stanovnike, ima najvišu nezaposlenost i sve više zaostaje za Zagrebom

Hrvatska se u posljednjih desetak godina, a posebice od 2021. godine, kad je počeo oporavak nakon pandemije, po razvijenosti približila prosjeku Europske unije, pa je smanjila zaostatak i za, primjerice, Njemačkom i Austrijom. No isti se proces nije dogodio unutar Hrvatske. Upravo suprotno, njezina najnerazvijenija regija još je više zaostala za najrazvijenijim Zagrebom. U samo […]

Zašto će Harry Kane i Luka Modrić morati igrati pred praznim stadionom? Jer se u svijetu, normalno, ne tolerira ustaštvo

Dobar dio javnosti uglavnom se pravi da ne zna zbog čega nitko od odraslih navijača Hrvatske u Rijeci neće moći prići tribinama

Hrvatsku očekuje nogometni spektakl oko kojeg se već mjesecima gradi atmosfera i koji će, nema sumnje, do vrha napuniti stadion na splitskom Poljudu. U utorak, 6. listopada, u okviru Lige nacija gostuje svjetski prvak, Španjolska. No, samo tri dana ranije, u Hrvatskoj će se održati još jedan punokrvni nogometni spektakl: na riječkoj Rujevici “vatreni” dočekuju […]


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TVNET [LV]

Eiropas Savienība apspriež vīzu ierobežojumu pastiprināšanu krieviem

Eiropas Savienības (ES) amatpersonas ir sākušas konkrēti izskatīt jautājumu par ierobežojumu pastiprināšanu tūristu un īstermiņa vīzu izsniegšanai Krievijas pilsoņiem, tā, atsaucoties uz informētiem avotiem ES, ziņo Deutsche Welle (DW). Tiekot apspriestas iespējamās izmaiņas likumdošanā, kas ļautu ierobežot vīzu izsniegšanu vairākām pieteicēju kategorijām, piemēram, noteiktas valsts pilsoņiem vai personām, kas veic “neobligātus braucienus”, norādījuši avoti.

“Techritory 2026” Rīgā meklēs risinājumus Eiropas datu un digitālās infrastruktūras aizsardzībai

Eiropas spēja kontrolēt un aizsargāt savus datus, digitālos pakalpojumus un kritisko infrastruktūru ir kļuvusi par ekonomikas un drošības jautājumu. Par iespējām stiprināt Eiropas digitālo suverenitāti 21. un 22. oktobrī Rīgā, konferenču centrā “ATTA Centre”, diskutēs vairāk nekā tūkstotis tehnoloģiju nozares līderu, uzņēmēju, ekspertu un politikas veidotāju, kuri pulcēsies devītajā digitalizācijas un savienojamības forumā “Techritory 2026”.

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